Kulitsch – russisches Osterbrot mit karamellisierten Möhren, Vanillemark, Rosinen und einer Zitronenglasur

Während in Deutschland die restlichen Schokoladenosterhasen zu Schleuderpreisen über die Theke gehen, haben die Russen das schönste und größte religiöse Ereignis noch vor sich. In Russland werden orthodoxe Ostern gefeiert und dieses Jahr finden die Osterfeiertage am 01. Mai statt. Dies hängt damit zusammen, dass sich die orthodoxen Kirchen an dem julianischen Kalender orientieren. Im Westen hingegen hält man sich an den gregorianischen Kalender. Daher fallen die Osterfeierlichkeiten selten zusammen. Doch es gibt eine Gemeinsamkeit – Ostern findet sowohl bei den lateinischen als auch orthodoxen Kirchen am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Jedoch fängt der Frühling in Russland im Hinblick auf den julianischen Kalender später an, sodass das religiöse Hochfest frühestens am 4. April und spätestens am 08. Mai gefeiert wird. Manchmal liegen die Termine sogar bis zu 5 Wochen auseinander.

Das Osterfest hat in Russland einen viel höheren Stellenwert als Weihnachten. Ostern ist für Russen nicht nur eine wichtige kirchliche Feier der Auferstehung Jesu Christi, sie ist zudem verbunden mit Säuberung der Seele und Gedanken. Zudem stehen alljährliche Rituale auf dem Programm. So werden an dem „sauberen Donnerstag“ auch die eigenen vier Wände auf Vordermann gebracht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag strömen viele Russen zum Gottesdienst und lassen dabei ihr mitgebrachtes Osterbrot und die Ostereier von einem Patriarchen segnen, damit sie am Sonntag ein gesegnetes Frühstück zu sich nehmen können, was zur körperlichen und geistigen Gesundheit beitragen soll.

Ähnlich wie im Westen ist Ostern in Russland ein üppiges und ausgelassenes Familienfest mit allerlei Köstlichkeiten. Jedoch gehören Osterhasen und Schokoladeneier nicht dazu. Ein fester Bestandteil der Feier ist das Osterbrot (russ. Кулич – [Kulitsch]), das ein absolutes Highlight auf dem ausgiebig gedeckten Tisch ist. Es ist vergleichbar mit einem Rosinenbrot. Traditionell wird das Osterbrot, bestehend aus einem Hefeteig, mit reichlich Butter und Eiern zubereitet. Anschließend wird es mit Nüssen, Rosinen, Mohn, Schokolade, getrockneten Zitrusfrüchten und einer Eiweißglasur filigran auf besonderer Weise verziert.

Heute stelle ich Euch mein Rezept für locker fluffige Osterbrote in der veganen Variante vor. Das Außergewöhnliche daran sind karamellisierte Möhren und ein Hauch Vanillemark, das mein Kulitsch besonders aromatisch macht. Die Möhren passen super zu den Rosinen, die ebenfalls in meinen Hefeteig rein gehören und dem Osterbrot eine fruchtige Note verleihen. Zudem liefert das Wurzelgemüse wertvolle Pektine, die eine positive Wirkung auf unsere Darmflora haben. Nicht zu vernachlässigen ist der hohe Anteil an Beta Carotin, das unser Sehvermögen stärkt und die Zellbildung unterstützt. Schon 100 g Karotten am Tag genügen, damit der Körper daraus den Tagesbedarf an Vitamin-A umwandeln kann.

Und hier ist das Rezept …

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Zutaten für den Teig (reicht für ca. 16 Muffinförmchen)

  • 400 g Weizenmehl
  • 250 ml Hafermilch
  • 50 ml Hafersahne
  • 50 g Margarine (z. B. Raps oder Soja)
  • 50 g Zucker
  • 50 g Rosinen
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 Vanilleschote
  • etwas Salz

Karamellisierte Möhren

  • 2 mittelgroße Möhren
  • 2 EL Öl
  • 1 1/2 EL Zucker


Für die Zitronenglasur

  • 1/2 Zitrone
  • Abrieb einer unbehandelten Zitrone
  • 6 EL Puderzucker

 

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So wird’s gemacht…

1. Möhren schälen und raspeln. In einer Pfanne etwas Öl erhitzen und die geraspelten Möhren anbraten bis sie etwas Farbe bekommen. Anschließend mit 1 1/2 Esslöffel Zucker karamellieren lassen.

2. Für den Hefeteig, Margarine in einem Topf schmelzen. Danach Hafermilch und Hafersahne dazugeben. In die lauwarme Mixtur Hefe und Salz hinzufügen. Den Topf vom Herd nehmen, Zucker, Rosinen und den Mark der Vanilleschote hineingeben und zum Schluss das Mehl in kleinen Mengen unterheben. Alles 5 min zu einem festen Teig mit der Hand verrühren. Die Schüssel mit einem Küchentuch abdecken und 1-2 Stunden bei Zimmertemperatur ruhen und um das Doppelte aufgehen lassen.

3. Nach der Ruhezeit den Teig nochmal auf einer bemehlten Unterlage durchkneten und für ca. 15 min liegen lassen, bis dieser erneut etwas aufgeht. Danach den Teig zu einer Wurst formen und etwa 2 cm dicke Scheiben abschneiden, zu kleinen Kugeln kneten und in mit Margarine beschichtete Muffinförmchen legen. Bei 180 Grad ca. 30 min auf einem Blech goldbraun backen und danach abkühlen lassen.

Osterbrot in Maffinförmchen

4. Für die Glasur: Saft einer halben Zitrone mit Puderzucker vermengen und zu einer glatten Masse verrühren. Danach die halbe Zitrone abreiben und in die Glasur hineingeben. Die Mini-Osterbrote glasieren, wenn sie abgekühlt sind. Die Glasur dabei mit einem Teelöffel auf dem Gebäck verteilen und runterlaufen lassen.

5. Traditionell werden die Osterbrote mit Nüssen oder kandierten Früchten dekoriert. Ich habe mich bei der Dekoration für Chia Samen und Heidelbeeren entschieden. Das Superfood ist insbesondere für ihren hohen Gehalt an Omega-3 Fettsäuren bekannt. Auch Heidelbeeren sollten häufiger auf unserem Speiseplan stehen, denn sie sind wahre Kraftpakete. Aufgrund ihrer antioxidativen Wirkung schützen sie unseren Körper nicht nur vor freien Radikalen, sie stärken zudem unser Immunsystem und sorgen für eine schöne Haut.

Die fertigen Osterbrote esse ich gerne mit dünn bestrichener Margarine oder einem Klacks Marmelade. Und am besten schmecken sie mir frisch aus dem Ofen, eingetunkt in die fruchtige Glasur. Übrigens lassen sich die Osterbrote sehr gut einfrieren. Und wenn man wieder Hunger danach verspürt, kann man sie einfach wieder kurz aufbacken und warm genießen. Dies funktioniert jedoch nur bei unglasierten Broten. Guten Appetit!

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